Liebe Messe Frankfurt,

wir kennen uns jetzt seit über zehn Jahren, aber ich kann unsere Beziehung so nicht weiterführen.

Zweimal im Jahr haben wir auf der Tendence und der Ambiente unseren Stand aufgebaut, viel Schmuck verkauft und viele Kunden gewonnen. Du warst sehr wichtig für uns, auf der Tendence im September und der Ambiente im Februar haben wir Einkäufer aus ganz Europa kennengelernt.

Unser Messestand in Frankfurt

Du warst immer schon etwas teurer als andere Messen. Es war immer zu warm in deinen Hallen. Der Kampf am Abbautag um die Aufzüge in der alten Halle war legendär. Trotzdem hat es mit Dir Spaß gemacht.

Dann hast du angefangen dich zu ändern. Unser Stand musste von einer Halle in die andere wandern, einmal waren wir sogar im Foyer, wo uns niemand mehr fand.

Dann wolltest du uns jedes Jahr viermal sehen – es wurden neue Termine erfunden mit Wellness, Badehandtüchern und Schmuck (oder so ähnlich – ich habe es vergessen. Gibt es diese Messetermine eigentlich noch?) Bei aller Zuneigung – das war dann doch ein bisschen zu oft.

Ich bewundere dich für deine Phantasie und Kreativität. Die zeigst du mir besonders bei Preisen und Nebenkosten. Da fällt dir immer wieder etwas Neues ein:
Ich gab dir nicht nur Geld für die Standmiete, sondern auch für Teppichböden auf den Gängen und die Entsorgung der Teppichböden. (Der russische LKW, der nach Messeende vor der Halle steht und ganz vorsichtig die Teppiche mitnimmt – mal ehrlich: Nimmt der wirklich Geld dafür?)
Ich zahlte für den Katalogeintrag und der Stromanschluss ist so teuer wie bei keiner anderen Messe.
5 Tage WLAN-Zugang in der Halle kosten so viel wie meine Telefon- und Internetflatrate in zwei Jahren. (Das gibt bei Kollegen und Bekannten immer einen Lacher: „Ratet mal, was das Internet in Frankfurt kostet!“ „50 Euro?“ „Mehr.“ „100 Euro?“ „Mehr.“ „150?“ „Deutlich mehr.“ „Etwa 300?“ „Mehr.“, und so weiter.)
Deine beste Idee war der Pflichteintrag in deinem Online-Portal „Produktpilot“.Kosten: mehrere Hundert Euro im Jahr! Da muss man erstmal draufkommen. Andere Firmen müssen sich echt Mühe machen, im Internet Fuß zu fassen, aber du hast ja tausende von Ausstellern, die du einfach zwingen kannst.

Du weißt, dass unsere Kunden bei uns einen großen Vorteil haben: Sie können die Ware sofort absortieren – aber du erlaubst nicht, dass sie das Tütchen mit Schmuck auch sofort mitnehmen. Wer es trotzdem macht, wird von dir wie ein Schwerverbrecher bestraft. An den Ausgängen steht ein Sicherheitsdienst, der Taschen kontrolliert! Leider mögen meine Kunden das nicht. Besonders die Kunden aus dem Ausland schütteln den Kopf und kommen nicht wieder. Wenn z. B. ein Kunde aus der Schweiz an 10 Ständen etwas einkauft, muss er 10-mal zum Zoll, um ein Paket abzuholen, und 10-mal Versandkosten bezahlen.

In den letzten Jahren bist du ziemlich heruntergekommen. Aus einer großen internationalen, für die Schmuckbranche wirklich wichtigen Messe, wurde eine regionale Fachhandelsausstellung. Leider sind deine Preise oben geblieben. Die Schmuck-Halle ist halb leer, große Teile sind mit Stellwänden abgetrennt.

Dieses Jahr hast du wieder eine Überraschung parat: Nicht mehr im September, sondern Anfang Juli sollen wir unseren Stand auf der Tendence aufbauen. Aber ist da nicht gerade erst die Ambiente vorbei? Ich glaube nicht, dass meine Kunden vor den Sommerferien schon für ihr Weihnachtsgeschäft einkaufen möchten.

Bei den Ausstellern wird gemeutert und es werden Pläne geschmiedet, selber eine alternative Schmuck-Messe zu organisieren. Gibt dir das zu denken?

Liebe Tendence, liebe Ambiente, unsere Wege trennen sich. Ich möchte in unserer Beziehung nicht mehr so weitermachen, ihr habt mich zu sehr enttäuscht. Ich mache Schluss mit euch.

Apfelwein und Grüne Soße werde ich vermissen.

Liebe Grüße,

Jochen Schepp

2 Antworten auf „Liebe Messe Frankfurt,“

  1. Guten Tag Herr Schepp,
    ja, sie haben recht, die tendence unterliegt dem Wandel, wie auch die Märkte dem Wandel unterliegen, denn Messen sind Spiegel der jeweiligen Märkte. Veränderungen im Primär- und Sekundärmarkt ziehen in der Regel auch konzeptionelle Änderungen und damit Hallenwechsel nach sich. Unsere Konsumgütermessen ambiente und tendence sind Mehrbranchenmessen. Abgebildet werden hier Unternehmungen vom Kunsthandwerker, als Ein-Mann-Betrieb, bis hin zum klassischen Asien-Importeur. Genauso weit ist die Spreizung auf der Einkäuferseite. So begrüssen wir Besucher von der kleinen Edelboutique bis hin zu professionellen Einkäufern für die Großfläche in Frankfurt und dies aus über 100 Ländern weltweit.
    Ein Messekonzept kann daher immer nur ein Kompromiss sein, der für einzelne Branchen und Händler besser paßt, als für andere. Dies bedeutet, dass wir auch hin und wieder Kunden verlieren, für die ein Kompromiss nicht funktioniert. Das bedauern wir sehr. Wir gehen dennoch davon aus, dass eine konzeptionelle Anpassung für die Mehrheit funktioniert und hoffen, dass wir mit der kontinuierlichen Adaption auch Kunden wiedergewinnen.
    Gerne möchten wir auf einige ihrer Punkte im Detail eingehen.

    Absortieren von Schmuckstücken
    Es ist nachvollziehbar, dass die Ausgabe des Absortierten für das Handling einfacher ist. Dennoch gehen Sie davon aus, dass diese Vereinfachung von allen beteiligten Ausstellern genauso bewertet wird. Wenn dies so einfach wäre, würden wir dies gestatten. Tatsächlich haben wir eine eigene Strategiekommission für ihre Branche eingerichtet, in der wir Ende letzten Jahres viele Belange der Schmuckaussteller besprochen haben. Mit einer einzigen Ausnahme haben unsere Kunden beschlossen, dass sie die direkte Ausgabe nicht möchten und auch eine Kontrolle weiterhin als wünschenswert erachten, bzw. die Durchsetzung als notwendig.
    Unsere Aufgabe sehen wir darin, Kompromisse zu finden, die von einer breit aufgestellten Mehrheit getragen werden. Dieser ist somit ein weiterer.

    Termin
    Die Diskussion um den geeigneten Termin ist immer noch nicht beendet. Ein grosser Teil unserer Aussteller befürwortet den aktuellen Termin der tendence. Unter denjenigen, die den Termin für weniger geeignet halten, gibt es leider jedoch auch kein eindeutiges Bild. Denn ein Teil der Aussteller möchte gerne einen Termin mindestens zwei Wochen früher, eine andere Gruppierung zurück auf den früheren Termin. Dies ist für uns schwierig zu beurteilen. Daher werden wir in den nächsten drei Monaten unsere Marktforschungsunterlagen sehr genau auswerten und viele weitergehende Gespräche mit Ausstellern und Einkäufern führen. Denn auch hier gilt, der Termin ist ein Komprmiss, Doch dieser muss unbedingt für die grosse Mehrheit unserer Kunden funktionieren.

    Productpilot
    Die Konsumgütermessen ambiente und tendence sind internationale Leitmessen der Branche. Der Einkäufer erwartet von den Teilnehmern einer internationalen Messe eine hohe Professionalität. Hierzu gehören gewisse Qualitätsstandards, obligatorisch eine webbasierte Präsentation, was im übrigen auch bei unseren Mitbewerbern Standard ist. Ziel ist, wie sie Eingangs ihres, fast möchte ich sagen offenen Briefes an uns, schon schreiben, das Kennenlernen von Einkäufern. Das Ziel der Betreuung der Bestandskunden, wie der Generierung neuer Geschäftstätigkeit, kann durch neue Shoppingformate und Informationen aus Portalen, wie Productpilot eine enorme Unterstützung erfahren. productpilot bietet ihnen die Möglichkeit, Interessenten auf ihr Produkt aufmerksam zu machen. Das Internet spielt heute nicht mehr nur für die Messevorbereitung eine zentrale Rolle, sondern wird auch zwischen den Veranstaltungen von wichtigen Zielgruppen regelmässig genutzt. Für diese spielen herkömmliche Suchmaschinen, wie google, eine immer geringere Rolle, da neue Business-to-Business Portale übersichtlichere und relevante Suchergebnisse liefern. Und, ja, der Eintrag in das Portal ist obligatorisch, denn der Erfolg hängt vom Content für den Nutzer ab. Die Wahlmöglichkeit innerhalb der Zielgruppen ist wiederum nur gegeben, wenn entsprechend viele Anbieter teilnehmen. Mit dem obligatorischen Auftritt aller unserer Kunden, gewähren wir ihrem Kunden das notwendige Angebot. Daher ist für das Medium eine obligatorische Teilnahme unerlässlich. Zudem ergibt sich durch ein neu installiertes Tool auf unserer Homepage ein direkter Durchgriff auf die Daten des productpilot. D.h., wenn ein Besucher der Messe sich vorher detailliert informieren möchte, bekommt er alle notwendigen Informationen direkt über unsere Veranstaltungshomepage. Somit wird die Vorbereitung für ihre Kunden immer einfacher.

    Zukunft 2010
    Die Gelegenheit möchte ich auch ergreifen, um ihnen einen kleinen Ausblick in das Jahr 2010 zu geben. Mit der Neustrukturierung unserer Konsumgütermessen 2010, haben wir für das Segment Carat in der Halle 9.3 eine Möglichkeit gefunden, dass alle Schmuckaussteller sich wieder in einer Ebene präsentieren können und dies zu beiden Messen. Somit können wir Ihnen in dieser Konstellation wieder Kontinuität in der Hallenbelegung anbieten. Gerne stehen wir ihnen für nähere Informationen diesbezüglich zur Verfügung.

    In Ihrem Blog habe Ich gelesen, dass Sie dieses Jahr als Besucher auf der tendence waren. Von daher interessieren mich natürlich auch Ihre Erlebnisse in diesem Jahr. Und vielleicht genießen wir nächstes Jahr einmal zusammen Apfelwein und Frankfurter Grüne Soße.

    Beste Grüße,
    Susanne Schlimgen
    Objektleiterin tendence und ambiente

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